Topic: obscurités

Ich habe zufällig (oder nicht), ein kurzes Buch von Agamben ("Qu'est que le contemporain") und, das von uns beiden so geschätzten Didi, gelesen. Beide sprechen von der Dunkelheit. Agamben (in meiner Uebersetzung): "Der Zeitgenosse derjenige ist, der sich nicht durch die Lichter des Zeitalters verblenden lässt, sondern es schafft, deren Schattenseite zu erfassen, deren dunkle Intimität." und Didi: "nous devons fermer les yeux pour voir. L'acte de voir nous ouvre à un vide qui nous regarde et, en un sens, nous constitue." Die Dunkelheit also Identitäts Konstruktion und Intimität.
Und dann, immer noch bei Didi, dies, wenn er über Tony Smith schreibt: "C'est lorsque nous faisons l'expérience de la nuit sans limite que la nuit devient le lieu par excellence, au beau milieu de quoi nous sommes absolument, en quelque point de l'espace que nous nous trouvions."

Re: obscurités

Das sind sehr poetische Zitate. Knüpft für mich an FADE OUT an. Mit dem verdunkeln des objekts des blicks bewegt sich wahrnehmung weg vom gezielten (schauen auf/zu einer sache), hin zum umgebenden,  atmosphärischen. Kreis statt Linie, Feld statt Pfeil. Das bedeutet auch, dass die Grenze zwischen beiden (Subjekt/Objekt) verschwindet, evtl. der Gegenstand der Betrachtung von der Zweidimensionalität in die Dreidimensionalität rutscht, verräumlicht.

Wo siehst Du die Verbindung zu Erschauern Begreifen?

Das FERMER LES YEUX am Anfang von Didis Buch bzw. bei Joyce finde ich allerdings schwierig. Was soll das bedeuten? Mir erscheint das eher uninteressant, zu sagen, nur mit geschlossenen Augen sieht man richtig.