Topic: sakral - on INSIDE THE BLACK CUBE - MUSEUMSFÜHRER

Ich habe gestern zwei Künstler getroffen wegen Museumsführer. Beide sind sehr arrogant gewesen und das Gespräch ist grundsätzlich Scheisse gewesen. Sie haben mir die ganze Zeit das Gefühl übermittelt, dass ich nichts davon verstehe weil ich aus dem Theater komme. Ich habe probiert zu erklären, dass wir diesen Ursprung einfordern und gerade darum die Beschäftigung mit dem Minimal Art interessant ist. Aber irgendwie ist das Gespräch nicht wirklich im Gange gekommen. Dann haben sie noch gesagt, dass der Kubus nicht matt sein sollte sondern glänzend. Und ich habe probiert, zu erklären, dass es um eine Reproduktion eines bestehenden Objekt geht. Aber das hat nichts gebracht... Na ja, ich schildere es jetzt sehr negativ. Ich kann ab und zu sehr unsicher werden. Vielleicht merke ich, dass ich immer noch nicht genau weiss, was wir da machen und was wir da wollen. Und jetzt komme ich zu eine wichtige Anmerkung. Denn dieses Gespräch hat bei mir schon etwas ausgelöst (also auch schlechte Gespräche können was gutes haben):
Was machen wir hier? Wir nehmen ein Kunstwerk aus dem Museum oder aus dem öffentlichen Raum und transportieren ihm im Theater. Das heisst, dass wir es in der Dauer positionieren und es auch zentralisieren. Wir benutzen es als Zentrum einer Theatervorstellung. Das Publikum wartet draussen, wird reingelasssen, die Tür wird  geschlossen und dann fängt es an. Es ist also wirklich Theater. Ok. Die Kritik von Michael Fried über Minimal Art kennen wir beide. (by the way: interressant ist, dass er in sein Buch über Fotografie an mehreren Stellen den Black Cube als Archetypos für Minimal Art nimmt.) Der Begriff "theatricality" ist uns bekannt.
Es scheint mir jetzt, dass wir mit dieser Vorstellung (oder wie du immer sagst, LP) eigentlich einen Pleonasmus ausüben. es ist wichtig, dass wir das einsehen, ist das erste. Das zweite ist, dass wir etwas damit machen müssen. Wir müssen es irgendwie in der Vorstellung thematisieren. Die zwei Künstler von gestern haben etwas sehr treffendes gesagt: sie meinten, dass es religiös sei, was wir machen. Also, dass wir mit diesen theatralen Set up einen Moment kristallisieren, dass das Kunstwerk (um Fried zu folgen) nicht nur zum Objekt macht sondern zum sakralen Objekt. Das ist als Strategie OK. Aber es ist auch gefährlich. Wenn ich zurück denke an der Mannheim Version, dann sehe ich da echt eine Gefahr. Wir sind ja damals noch weiter gegangen dadurch, dass wir das Objekt beinahe vergewaltigt haben mit dem Licht von Innen. Das war aber eigentlich nicht eine schlechte Strategie. Wir sind noch weiter in einer "sakralen Richtung" gegangen, als es das Objekt und die Situation, die wir geschaffen hatten, schon von sich selbst waren. Das ist die eine Möglichkeit. Die andere ist, die Relativierung. Entweder mit dem Museumsführer oder mit dem Dialog. wir sollten uns für die eine oder die andere Entscheiden. Denkst du nicht?
Ein bisschen Stoff um im Zug nachzudenken.