Topic: ANTWORT auf balaclava

Antwort auf deine idee und deinen text:
ich finde die filmische idee sehr schön, aber ich weiß auch nicht, wo das hinführen kann oder sollte. an dem punkt, an dem dein text aufhört, weiß ich auch nicht weiter.
du schreibst, der black cube ist wie eine balaclava. warum? du meinst vermutlich: der black cube ist (wie) ein verschleiertes gesicht. also ein mensch, den wir als solchen erkennen, ohne sein angesicht zu sehen. der black cube ist charakterlos. er ist generisch, nicht individuell. das gleiche gilt für den maskierten. Und da ist der 2007er Text von Fried wichtig. Fried sagt: generic objectness is bad objectness, specific objectness is good objectness. in diesem sinne kritisiert er die minimalisten: " the trouble with Donald Judd's Specifiic Objects was that they were never specific enough."
Deine Idee mit der Maske stimmt also in diesem sinne.
Was passiert bei der maskierung?
1) ich vermute, dass eine maskierung NICHT GRUNDSÄTZLICH ENTMENSCHLICHT. ich erkenne ja immer noch die menschlichkeit hinter der maske und verhalte mich dementsprechend. was tut sie dann? welche rolle spielt das ANGESICHT?
2) entfremdet die maske? schafft sie eine alterität, vergleichbar der alterität, die du beim black cube immer hervorgehoben hast?
ich möchte aber auf etwas anderes hinweisen, weil es mir in dem zusammendenken von hartmut böhme und michael fried aufgegangen ist.
böhme schreibt:
"Kunstwerke an sich und für sich sind nicht weniger tot als Steine – so wie Steine im ästhetischen Prozeß nicht weniger lebendig sind als Kunstwerke oder Tiere. Das liegt daran, daß der ästhetische Raum nicht Subjekt und Objekt scheidet und folglich auch einen Objektraum nicht nach organisch – anorganisch, künstlich – natürlich, tot – lebendig usw. aufteilt."
wichtig ist mir nicht die idee von lebendig oder tot, sondern "daß der ästhetische Raum nicht Subjekt und Objekt scheidet". Das ist eine der zentralen Thesen bei böhme. die ästhetische situation wäre dann ein (zeitlicher) raum, in dem ich mich befinde, ein raum um mich und das werk, bzw. ein raum, den das werk und ich aufmachen (heideggers definition von raum).
was bedeutet das jetzt für die ethik? wir sind in einem raum und beeinflussen uns folglich gegenseitig. gemeinsam in einem raum zu sein, beduetet, diesen raum zu verhandeln, also regeln und positionen miteinander auszuhandeln.
in jedem fall glaube ich, dass da der unterschied liegt zwischen object und painting (oder sculptur): ein raum in dem ich mich MIT etwas oder jemand anderem befinde, das ist die situation der objectness. ein bild dagegen ist in diesem sinne NICHT ANWESEND, bzw. löst den Raum auf, also bin auch ICH NICHT ANWESEND.
was soll das jetzt alles für das video? ich glaube, dass der entscheidende punkt beim cube der ist, dass er einen raum mit mir eröffnet, anstatt einen raum zum verschwinden zu bringen. wie können wir damit im video umgehen? wie kann man einen solchen filmischen raum herstellen?
wenn mich ein gesicht von der videoprojektion ansieht, geschieht das nicht. hier handelt es sich nicht um objectness, hier wird kein gemeinsamer raum eröffnet. macht es hierfür einen unterschied, ob der mensch maskiert ist oder nicht?
ALSO NOCHMAL ZURÜCK:
Mit der Maske hast du einen wirklich wichtigen Punkt getroffen, nämlich den aspekt des generischen. insofern ist das eine entsprechung EINES aspekts des black cube. aber geht es darum, also eine entsprechung zu finden für den cube?
Was wollen wir mit dem Video?
wir wollen einen kleinen kommentar zur ethik in der ästhetischen situation geben. Richtig?
Also von der erfahrung einen kleinen schritt in die ethik gehen, die - so unsere deutung - für diese ästhetisches erfahrung wichtig ist. ist dafür der aspekt des generischen wichtig? wenn ja warum.
Ich versuche hier eine begründung, an die ich selbst nicht glaube, aber wer weiß.... es ist die einzige, die mir jetzt einfällt:
wenn der cube keine versenkung zulässt, weil er, wie didi schreibt, eine höhlung sei, dann lässt das maskierte gesicht vielleicht auch keine versenkung zu. das würde aber bedeuten, dass das menschliche antlitz ohne maske versenkung ermöglicht, das wäre die logische folge. das menschliche antlitz als bild. das würde natürlich der ganzen ethischen linie von buber und levinas widersprechen. denn für sie ist das antlitz eben das gegenteil eines bildes.