Topic: Zitate Böhme Einführung in die Ästhetik

ZITATE BÖHME Einführung in die Ästhetik
- Alexander Gottlieb Baumgarten: "Aesthetica" von 1750: "Ästethik ist die Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis"
- Ästhetik ist die Position, die eine ästhetische Situation beobachten läßt. Keineswegs ohne Interesse, wie Kant meinte, wohl aber aus mittlerer Distanz, die Kant auch im Sinn hatte, geht es um den sinnlichen Mitvollzug der gegenwärtigen Situation nach ihren beiden Seiten hin, der [Produzenten] sowohl wie der [Zuschauer]. Der ästhetische Blick bleibt dabei keineswegs nur auf die erscheinenden Zeichen beschränkt. Sondern das Ästhetische besteht gerade darin, das Erscheinende nicht nur in einer Art imaginärer Mimesis mitzuvollziehen, sondern auch zu entziffern. Das Ästhetische und das Hermeneutische gehören zusammen, ja konvergieren. In einer Vielzahl, ja, vielleicht in allen Situationen emergiert der soziale Sinn im ästhetischen Schein wie dieser umgekehrt jenen erst codiert. Man kann den sozialen Sinn vom Ästhetischen nur ablösen um den Preis, ihn zu bloßer Information zu mortifizieren. Das wäre Soziologie. Der Ästhetiker dagegen ist Vivisekteur. Das macht seine Fragwürdigkeit aus und seinen Vorteil. Immer ist er beim Besonderen, hält bei ihm inne und ist doch niemals ganz dabei. Er ist notwendig präsent und doch der Gegenwart eigentümlich entzogen. Er ist dichter an den Phänomenen als die Wissenschaftler, weswegen all sein Erkennen die Züge seiner Subjektivität trägt (was er nicht verleugnet, sondern reflektiert). Und doch ist er gegenüber den involviert Handelnden nur ein nachfolgender Schatten.
- Eine ästhetische Nullpunkt-Situation [gibt es] nicht. Eine solche scheint Kant anzustreben, wenn er das ästhetische Urteil an Interesselosigkeit, Allgemeingültigkeit, Zweckmäßigkeit und Übersubjektivität bindet. Vielmehr sehen wir, daß im wahrnehmenden Subjekt eine komplexe intermediale, intertextuelle und historische wie biographische Vermittlung stattfindet, welche es in der Ästetik nicht zu reinigen, sondern zu entziffern gilt. Das geschieht hier in einer inszenatorischen Ritualität, die durchaus ein Grundmerkmal des Ästhetischen darstellt.
- Ästhetik als bloße Theorie des Kunstwerks wäre eine heute nicht mehr vertretbare Reduktion des ästhetischen Phänomens. Dieses umfaßt potentiell jedes Moment des Alltags, der Gesellschaft, der Kunst und der Natur. Ästhetik wäre damit Theorie und Analyse des Ästhetischen von Alltag, Gesellschaft, Kunst und Natur.
- Kunstwerke an sich und für sich sind nicht weniger tot als Steine – so wie Steine im ästhetischen Prozeß nicht weniger lebendig sind als Kunstwerke oder Tiere. Das liegt daran, daß der ästhetische Raum nicht Subjekt und Objekt scheidet und folglich auch einen Objektraum nicht nach organisch - anorganisch, künstlich - natürlich, tot - lebendig usw. aufteilt. Der ästhetische Prozeß realisiert Atmosphären, die von Leblosem genauso wie von Lebendem, von Technischem wie von Natürlichem, von Menschlichem wie Nicht-Menschlichem gebildet werden. Und das Ästhetische realisiert Bedeutungen, die nicht an Rede und intentional hervorgebrachte Zeichen gebunden sind, sondern jedem und allem zukommen können. [Dies] ist der Grund für die hermeneutische Endlosigkeit des ästhetischen Prozesses.
- Ästhetik als charakteristische Form des Erlebens und der Erfahrung von 'gegliedertem Raum' und 'rhythmisierter Zeit'
- in welcher Weise die Entscheidung für die Raumperspektive oder für die Vektorialisierung der Zeit eine Ästhetik begründet