Topic: Das Bild stellt nichts dar

Gegen die zeichentheoretische Vermutung, ein Bild stelle etwas - beispielsweise ein Ding - dar, hält König fest, dass es der Maler ist, der etwas darstellt, nicht aber das Bild. Und der Maler malt nicht ein Ding, sondern ein Bild des Dinges. Das Tun des Malers ist die Darstellung eines Dinges als Bild. Bildet man von hier aus eine strukturelle Analogie zur Rede von Spiegel, Spiegel-Bild und bespiegeltem Ding, so trifft man auf den merkwürdigen Sachverhalt, dass zwar einerseits gesagt werden muss, es sei das Tun des Spiegels, dessen Produkt das Spiegel-Bild ist - so wie das Produkt des Tuns des Malers das Bild ist. Andererseits aber kann genau nicht gesagt werden, dass das Produkt des Tuns des Spiegels - das Spiegel-Bild - ein Bild des bespiegelten Dinges sei, sondern das »Ding selber«. »Denn wir sehen im Spiegel nicht so etwas wie das Bild des Dinges, sondern in ihm das Ding selber.«
Josef König, Sein und Denken, Halle 1937. zitiert in : Siegfried Blasche, Mathias Gutmann, Michael Weingarten. Bilder und Spiegel-Bilder.