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Topic: Performing Presentation: Sybille Peters

Müssen wir auf der Bühne der Präsentation also alle zu perfekten Performern werden? Aus der Perspektive der Performance Studies verbirgt sich in dieser Annahme ein grundlegendes Missverständnis: Anders als uns das ökonomisch geprägte Konzept von Performance weismachen will, ist ein Performer gerade kein Souverän, der die Szene beherrscht. Er ist vielmehr Teil einer Szene; in seiner Performance zeigt sich grundsätzlich mehr und anderes, als gezeigt werden soll.

Die Präsentation der Präsentation kann, gerade weil sich in ihr mehr und anderes zeigt, als gezeigt werden soll, auch als experimentelles Szenario verstanden werden. Darin liegt eine Chance, auf die aus der Perspektive der Performance Studies nicht häufig genug hingewiesen werden kann: Bislang galten Forschung und Vermittlung in der Welt des Wissens als getrennt, die Forschung als primär, die Vermittlung als sekundär. Begreift man die Präsentation von Wissen jedoch als Performance, wird sichtbar, welchen Anteil sie an der Entstehung von Wissen hat. Und damit wird die Performance des Wissens potentiell zum Forschungslabor.

(SZ, 28.12.2009, “Wir Schauspieler”)