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Topic: Unterschied: Anfang: 3 Fragen

Woher kommt das Bild?

Ich bin auf diese beiden Bilder gestoßen in einem Buch mit dem feinen Titel DESIGN DER MACHT. Ein Buch über Nazi-Innenarchitektur. Mich hat ja seit meiner Schulzeit diese immense Menge an Literatur über die NS Zeit fasziniert und abgestoßen. In dem willen oder zwang auch noch die letzte feinheit des ns-systems auszuleuchten, zum beispiel die innenarchitektur, drückt sich für mich immer eine klammheimliche faszination für militär und politische gewalt allgemein und für die nazis im besonderen aus, die ich weder teile noch erstrebenswert finde. Mein älterer Bruder hat in seinem Abi über den 2. Weltkrieg geschrieben und ich erinnere mich an diese dicken, schwartigen, schwarzgebundenen bücher, kogon, joachim fest und diese gruseligen leute.

Das buch über innenarchitektur hatte ich mir besorgt, weil ich für eine komödie am NTM, in der unter anderem hitlers schuhschrank (!) vorkommt, diese art von möbeldesign (mastaba-design) recherchieren sollte. Das Bild des fensters ist dann tatsächlich ins Programmheft gekommen, neben einem text von benjamin, "der destruktive charakter". Den text habe ich ehrlich gesagt nie ganz verstanden, bzw. ich hätte ihn da nicht reingestellt, aber der autor fand das einen tollen kommentar zu seinen figuren.(und zu den bildern?)

Das foto passte aber insofern gut, als es in der komödie um einen typen geht, der sich im oderbruch ein altes haus kauft, in dem er sein neues und alternatives lebensmodell verwirklichen will. Als erstes verliert er aber seine brille und da er dermaßen kurzsichtig ist, kann er die landschaft vor dem fenster gar nicht sehen. Deswegen schwärmt er immer, wie toll das alles draußen aussieht, und seine familie versucht ihm zu erklären, dass es da draußen nur ödnis, umweltverschmutzung und landflucht gibt. Das Bühnenbild des stücks bestand aus einem riesigen prospekt mit einem foto eines alten bauernhauses im oderbruch und die szenerie spielte sich davor ab. Nach und nach wird dieser prospekt zerlegt so dass immer mehr die theatermaschinerie sichtbar wird, das traumbild in fetzen hängt. - Nicht gerade tragische größe aber immerhin, es hat was mit dem verhältnis von ideal, blick und gewalt zu tun. Und in gewisser weise verfährt dieser typ mit seinen restaurationsideen im oderbruch ähnlich wie die nazis auf dem obersalzberg. Alles kaputt machen, damit es noch authentischer wird!


Was interessiert mich an dem Bild?

Ich finde das Bild in seiner einfachheit erstaunlich komplex. Eigentlich verdeutlicht das zweite bild, bzw. der vergleich der beiden nur etwas, was in dem ersten bild verdeckt ist. Erst durch das zweite bild wird es deutlich sichtbar, so mein eindruck. Insofern kann man sagen, es geht mir um dieses eine bild, nicht um zwei bilder.

Mir geht es darum verschiedene schichten freizulegen und zu benennen, die ich da sehe.

Da ist zum einen der klassische aufbau, der rahmen. Das bild wirkt extrem konstruiert, was es in sofern ja auch ist, als dieser raum als bühne konstruiert ist. Insofern ist das eine bühnenfotografie.

Das bergmotiv erinnert mich an die romantik, aber die frage ist dann, ist das bergmassiv der bildgegenstand? Zeigt das bild ein zimmer oder einen berg?

Die romantik bringt mich zurück zu der methode von caspar david friedrich, mit der david und ich uns beschäftigt haben. Nämlich: einen betrachter als stellvertreter ins bild zu setzen und damit gleichzeitig das motiv zu rahmen (mensch als rahmen). Hier fehlt jegliche menschliche spur – auch das eine faszination für mich, diese toten innenräume – und doch zeigt der rahmen um die landschaft, den ort eines menschen, und zwar von adolf hitler. Dieser Raum ist für ihn gemacht, das ist seine funktion, dass Hitler sich darin aufhält. (das ist auch seine symbolik: hier haust der führer). In dem Bild ist seine Funktion die des Rahmens für meinen Blick. Imaginiere ich, weil ich den rahmen als aufenthaltsort erkenne, mich da hinein. Dann stünde ich in hitlers zimmer, so wie kleist in friedrichs gemälde am meer steht. Das ist zwar im bild so nicht angelegt, aber es hat glaube ich mit meiner faszination zu tun. Es ist also eine art gruselkammer.

Andererseits geht der Blick durch hitlers haus hindurch. Der raum schiebt sich dazwischen, könnte aber von meinem blick überwunden werden. Was bedeutet das, dass sich der faschismus (design der macht) nur als zwischenstation, als eine art tunnel darstellt. Sieht man die deutschen berge heute immer durch diesen tunnel? Ist es das, was vom deutschen faschismus bleibt, diese färbung oder rahmung alles wahrnehmbaren?

Und der faschismus selbst als ideologie: welche funktion hat so ein fenster? Es rahmt die welt da draußen, macht sie beherrschbar. Man könnte sagen, der faschistische blick ist der fensterblick. Was macht dieser blick? Was tut er der „natur“ an?

Und das zweite bild: zeigt auf großartige weise die unterschiede zwischen vorder- und hintergrund. Ersterer verändert sich radikal, zweiterer überhaupt nicht. Hitler ist weg. Aber das symbol des raumes ist immer noch: hier hauste der führer. Ist das ein befreiendes bild? Ein bild der freiheit? Ich finde nicht. Das erste bild wirkt artifiziell, surreal, leblos, kalt, das zweite traurig, irgendwie brutal. Jetzt tut einem der doch irgendwie leid.

Und im gegensatz dazu das bild, von außen aufgenommen, auf dem irgendwelche mädchen und soldaten die beine aus dem fenster baumeln lassen.


Warum diese Video-Aktion?

Ich finde, dass es ein Problem war und ist, wie wir in den LPs eben lecture und performance verbinden und gewichten. Davids erste LP war da ganz klassisch und damit auch das vorbild für alle anderen: vortrag, unterbrochen und illustriert durch performance-momente. (Das wirklich besondere war diese rückenpose vor dem opalka foto.) Die zweite die wir gemacht haben – erschauern begreifen – hat dann versucht das vortraghalten an sich zu performen. Mehr oder weniger erfolgreich. Die dritte – robert morris – war eigentlich ein reenactment, hat auf den vortrag und den vortragenden gleich ganz verzichtet, und war nur in der art, sich auf ein existierendes werk zu beziehen, mit den anderen verwandt. Das beste daran war das fehlen bzw. der ort des vortragenden oder performers. (Es ist in dem sinne kein objekttheater, sondern ein versteckspiel.) die vierte – black cube, in der finalen form – hat den vortrag als spezielle vortragsform zitiert, nämlich durch einen professionellen museumsführer. Der rest war erfahrungsgestaltung. Die fünfte – moorsoldaten – ist wieder ganz vortrag, ziemlich konventionell, mit einer positionsverschiebung am ende, die so ein bisschen die rückenpose aus der ersten und zweiten LP aufgreift.

Anyway – vielleicht liegt es in der natur der LPs, dass es immer zu viel von dem einen und zu wenig von dem anderen sein wird. Trotzdem befriedigt mich das nicht besonders. Jetzt dachte ich, vielleicht muss man es entkoppeln, um sich wirklich beiden elementen ordentlich widmen zu können. Das geht vielleicht mit video, wenn man die performance erstmal in ruhe macht, und sie dann in den vortrag einbindet. Das ist zwar formal was den vortrag betrifft wieder ziemlich unspektakulär, wenn man aber deutlich machen kann, dass die performance für die aufzeichnung und damit für den vortrag gemacht wurde, und auch nur so funktioniert, dann finde ich es wieder legitim. Insofern ist die idee, dieses video zu machen, erstmal eine ganz praktische um mit dem problem von lecture und performance umzugehen.

Der andere grund ist eine faszination mit diesem ort, die mit dem bild gar nicht so viel zu tun hat. Das kommt eher aus dem buch, dass alexander inzwischen auch gelesen hat (nachbar hitler). Diese geschichte, dass die nazis da hin gehen und so ein kleines dorf umbauen und zurechtstutzen, um sich da postkartenmotivmäßig breit zu machen. Das ist ja auch ein operettenstaat, eine bühne. Und so was fasziniert mich immer! Überhaupt, wenn der deutsche faschismus zu irgendwas zu gebrauchen ist, dann aufgrund seiner absurden inszenierungslust und tief empfundenen theatralität. Nazis waren eigentlich total camp! Und dazwischen immer dieser pathologisch griesgrämig guckende, schizoide kleine hitler...

Jedenfalls wollte ich von Anfang an, da hin fahren, ohne genau erklären zu könnne, was ich da suche? Vermutlich vorallem andere leute die da etwas suchen. Die sind vermutlich das beste am obersalzberg.

Wie stell ich mir die Aktion vor?

Wir treffen uns auf dem Obersalzberg, um den blick durch das große panoramafenster zu reinszenieren. Dafür bauen wir den Fensterrahmen am originalort auf. und zwar mit möglichst einfachen, billigen materialien, teporär, um den fokus auf die aktion und den blick und nicht auf die intallation zu lenken. Wir setzen uns selbst einen zeitrahmen, z.B. 12 Stunden. In diesem Zeitrahmen muss alles stattfinden: Suche des Ortes, Beschaffung der Materialien, Transport, Bau, Durchschauen.

Alles in diesen 12 Stunden wird dokumentiert. real- und erzählzeit, oder wie das heißt (?), sind also gleich. idealerweise ohne schnitte. das gesamte material wird dann so gerafft, dass man es in zehn Minuten zeigen kann.

Ein Beispiel, das ich interessant finde:

http://www.youtube.com/watch?v=Ut4isQKgNMQ