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Topic: Dirk Baecker - Kunst der Unterscheidung - Vortrag

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Einige zentrale Thesen aus Baeckers Vortrag von 1990


Die Beobachter dieser Welt sind wir selbst, beobachtet von uns selbst, den Beobachtern dieser Welt.



Über Ökologie bei Heidegger:

Die einigende Versammlung von Himmel und Erde, Göttlichen und Sterblichen in die Dinge hatte und gab darin ihren Sinn, dass sich am Ding die Differenzen zu erkennen gaben, aus denen diese Welt lebt und sich stiftet, wie man einmal sagte. Nicht die Einheit ist das Ziei der Versammlung, sondern ganz im Gegenteil die Einigung dessen, was verschieden ist und verschieden bleibt. Im Abstandlosen geht all dies verloren. Das Abstandlose ist eine schlechte Einheit, denn was verschieden war, ist es nicht mehr. Die Entropie ist der Tod der Dinge.

Ein Ergebnis des Abstandlosen ist, dass die Dinge zusammenrücken, "zusammenschwemmen", ist, dass wir heute nicht mehr frei sind, sie unabhängig zu beobachten von den Unfällen, die in ihnen lauem und den Abfällen die sie produzieren.

Wir wechseln von der Seite der Kontemplation auf die Seite der Kontamination.



Heinz von Foerster hat das Problem mit den Unterscheidung auf einen kurzen Nenner gebracht: Jede Unterscheidung hat einen blinden Fleck, und dieser blinde Fleck ist sie selbst. Die Unterscheidung kann sich nicht selbst beobachten.



Über die einzige verlässliche Größe:

Aber all das stimmt erstaunlicherweise ja nur zur Hälfte bestenfalls. Doch worauf können wir uns stützen, wenn wir die andere Hälfte beschreiben wollen, all das, was wir als stabil und verlässlich, als Form und Struktur, ja sogar als robust und rigide beschreiben können? Wir müssen uns auf den Beobachter stützen. Der Bobachter ist die allem anderen Halt gebende Asymetrie.



Über Strategien:

Der Roman, die Ideologiekritik, die Psychoanalyse, sind die erfolgreichsten Strategien, nicht mehr die Welt, in der der Beobachter lebt, sondern ihn selbst zu beobachten. Bald wird dies zum Normalverfahren, und komplexe Systeme wie etwa die moderne Wirtschaft können ihre Operationen ganz auf die Beobachtung von Beobachtungen abstellen.



Erfahrung, Markierung, Beobachtung, Unterscheidung:

Die einzige Realität, mit der wir es, wenn man so sagen darf, wirklich zu tun haben, ist die Realität von Beobachtungen. Jede Unterscheidung nach Subjekt und Objekt verstellt nur den Blick auf diesen Sachverhalt.

… Die Unterscheidung zwischen Erfahrung und Markierung, die jede Beobachtung kennzeichnet. Als Erfahrung verändert eine Unterscheidung den Beobachter, als Markierung sucht sie festzuhalten, was der Beobachter beobachtete.

Jede Beobachtung ist vor allem eine Unterscheidung, die beides erst schafft. den Beobachter und das Beobachtete.



Über romantische Ästhetik:

Die Kunst im Medium der Beobachtung

Die Kritik hat laut Benjamin für SchlegeI und Novalis die Aufgabe, die Einheit des Werkes im Hinblick auf ein neues Werk zu zerstören, weil jedes Werk den Blick darauf verstellt, dass es ein Werk nur ist, weil es sich beobachtend auf all das bezieht, was Kunst je war und sein kann.
Für die Romantiker, die vielleicht auch darum das Stilmittel des Fragments entdeckten und entwickelten, ist das Werk so unabschliessbar wie unzerstörbar.

Seit den Romantikern ist es der Kunst aufgegeben, die Einheit der Differenz von Erfahrung und Markierung als Differenzerfahrung vorzuführen.

Seither stellt sich die Frage nach dem Beobachter. Doch ist sie mit den Romantikern nicht als eine Frage nach dem Wer, sondern als eine Frage nach dem Wie zu stellen. Nicht auf den Künstler, den Menschen, das Subjekt [….] wird man stoßen, sondern auf Unterscheidungen.



Über Ironie und Konztingenz:

Die ironische Beobachtung, so würde ich vermuten, ist die Beobachtung, die einem Beobachter die Unterscheidung, die er verwendet, so vorführt, dass der Beobachter die Unterscheidung, die er mehr oder weniger bewusst für notwendig hielt, mit einem Mal als kontingent erfährt. Denn ohne etwas zu wissen, weiß der Ironiker dieses besser: daß jeder Beobachter erstens eine Unterscheidung benutzt, um sehen zu können, was er sieht, daß er zweitens diese Unterscheidung selbst zugleich nicht beobachten kann, also nicht weiß, daß er nicht sieht, was er nicht sieht, und daß er drittens etwas anderes sehen würde, wenn er eine andere Unterscheidung benutzen würde. Der Beobachter wird durch diese Ironie überrascht, weil er bei all seinem Wissen noch nicht weiß, daß er gar nicht anders denn mit kontingenten Unterscheidungen starten kann: Es gibt keine notwendigen Unterscheidungen.



Das Nicht-Bezeichnete:

Das Nicht-Bezeichnete ist so die Bedingung des Bezeichneten, ein Dunkel, das um so dunkler wird, je aufgeklärter die; Unterscheidungen sind.



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