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Topic: Rezeptionswissenschaft - verschiedene wissenschaftliche Richtungen

Wolfgang Kemp unterscheidet in seiner Einführung "Kunstwissenschaft und Rezeptionsästhetik" (Kemp. Der Betrachter im Bild. Berlin: 1985/1992) verschiedene Forschungsrichtungen der Rezeptionswissenschaft. Während die Rezeptionsästhetik ihren Gegenstand im Bild findet, also den Betrachter und das Rezeptionsverhältnis innerhalb des Werkes zu bestimmen versucht, geht die Betrachter- oder Publikumsforschung so vor, dass sie vom Werk ausgehend auf den Betrachter und die Betrachtersituation schaut, bzw. vom Betrachter auf das Werk schaut.

Kemp unterscheidet innerhalb der Betrachter- oder Publikumsforschung vier Richtungen:

a) Wanderung künstlerischer Formen ist der Prozess, bei dem die Rezeption von Werken sich in der Produktion von neuen Werken aufzeigen lässt. Diese r-geschichtliche Forschung untersucht also das Verhältnis vershiedener Künstlerund Kunstwerke zueinander. Der Künstler als Betrachter. Diese Vorgehensweise ist zB. bei Malrauxs Kunstgeschichte deutlich.

b) literarische R-geschichte untersucht die schriftlichen oder mündlichen Zeugnisse von Rezeptionserfahrungen. Das schließt auch eine Geschichte der Kunstkritik mit ein.

c) Die Geschichte des Geschmaks ist bei Kemp die Geschichte der institutionalisierten Rezeption, also Handel und Geschichte der Präsentation (Museen, Galerien, Privatsammlungen usw.) Diese Richtung wäre also damit vorallem mit den sozialen Bedingungen der Rezeption beschäftigt, mit Kommerz, Pädagogik, sozialer Distinktion. Der Name Geschichte des Geschmaks ist irrführend, weil er eine umfassendere Sicht vermuten lässt. Es geht hier primär um Rahmenbedingungen.

d) Rezeptionspsychologie widmet sich den psycho-physischen Rezeptionsprozessen im Betrachter. Sie ist also tendentiell unhistorisch, was man ihr auch vorwerfen kann. Allerdings ist Psychologie als Foschungsfeld selbst längst historisiert worden, der Vorwurf trifft also m.E. nicht zwingend.


Unsere eigene Vorgehensweise ist in diesen 5 Kategorien jeweils nur teilweise aufgehoben. eine auführungsanalytische kunstwissenschsft würde ausghend von der Methode b) die rezeptionsbedingungen c) natürlich ebenso untersuchen müssen wie die Ästhetik des Werks selbst.