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Topic: Vortrag für Heidelberger Kunstverein, Juni 2013, Ankündigungstext

"Consider everything I do as writing" (Stuart Sherman)

Ein Vortrag von Jan-Philipp Possmann

Termin: 15. Juni 2013
Heidelberger Kunstverein

Die Frage nach dem Verhältnis von Text und Aktion zieht sich wie ein roter Faden durch die performativen Avantgarden – Von der Textzentrierung des europäischen Theaters seit der Renaissance, über die Auseinandersetzung um scriptedness in der Performance-Art-Szene der 60er Jahre bis zu den Peformance Studies der Gegenwart. Dabei kommt der Frage, ob eine Performance zuerst als Text existiere oder ob sie selbst Text sei, mehr als nur semiotische Bedeutung zu. Die Bedeutung des Textes in der Kunst ist auch eine Frage nach Gesinnung und Zugehörigkeit. Sie könnte der Grund sein, warum Bildende Künstler nicht ins Theater gehen und umgekehrt. Indem sich der Performance Künstler Stuart Sherman als Autor und seine Kunst als textual bezeichnet, betont er seine Distanz zu den Poetiken der Bildenden Kunst, in deren institutionellen Rahmen seine Arbeit dennoch steht.

Der Kulturwissenschaftler und Theaterdramaturg JP Possmann vergleicht in seinem Vortrag verschiedene Modelle von Schriftlichkeit und Performativität zwischen Darstellender und Bildender Kunst. Dabei spielen nicht nur institutionelle und ideologische Differenzen des Kunstbetriebs eine Rolle, sondern vor allem die Frage, nach der ästhetischen Erfahrung. Denn ob wir eine Situationen überhaupt als ästhetisch wahrnehmen, hängt wesentlich von unserer Vermutung über ihr Zustandekommen ab, also mit der Frage, ob die Bibel recht hat, dass das Wort zuerst war und dann die Erscheinung.


Jan-Philipp Possmann studierte Theater-, Kultur- und Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Als Dramaturg arbeitete er mit verschiedenen internationalen Theater- und Performance-Künstlern zusammen. Von 2005 bis 2007 leitete er das internationale Performance-Festival Plateaux am Künstlerhaus Mousonturm, Frankfurt/Main. 2007/2008 war er Mitglied der künstlerischen Leitung und Kurator der Sophiensaele, Berlin, sowie 2007, 2009 und 2013 Festivaldramaturg der Internationalen Schillertage und von 2009 – 2012 Schauspieldramaturg am Nationaltheater Mannheim. Gemeinsam mit dem belgischen Künstler David Weber-Krebs betreibt er seit mehreren Jahren ein Forschungsprojekt zur Rezeptionsästhetik. Unter dem Titel „Catalog of Situations“ entstanden mehrere Lecture Performances und Installationen, die sich mit Werken der Kunstgeschichte auseinandersetzen (u.a. Hochschule der Künste Amsterdam, Mousonturm Frankfurt, Volksbühne Berlin, Frascati Amsterdam, Zeitraumexit Mannheim).